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Alla Vita Buona — Stände 21 bis 24 und 35 bis 39
Von Bauernmärkten zur Kleinmarkthalle: Frankfurts kulinarisches Erbe
In Frankfurt, wie auch in vielen anderen Städten, war es lange Tradition, dass lokale Bauern ihre frischen Produkte in die Stadt brachten, um sie auf Marktplätzen anzubieten. Orte wie der Weckmarkt und der Hühnermarkt zeugen noch heute von dieser Praxis. In der Altstadt, wo die Handwerker nach Zünften organisiert waren, verkauften Metzger direkt in ihren Läden Fleisch und Würste.
Mit dem Aufkommen des 19. Jahrhunderts und einem gestiegenen Bewusstsein für Hygiene begann man, den Marktverkehr zu ordnen. 1871 entschloss sich der Magistrat, zwischen Fahrgasse und Hasengasse eine Markthalle zu bauen. Diese entstand zwischen 1877 und 1879 unter der Leitung von Stadtbaurat Behnke im neorenaissance Stil und wurde rasch zu einem beliebten Versammlungsort. Die Halle bot mit ihrer imposanten Eisen- und Glasstruktur auf 4.000 Quadratmetern Raum für über 350 Stände.
Die Markthalle diente bis 1928 auch als Großhandelsort und war so beliebt, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts extra eine Straßenbahnlinie für die bequeme Anreise aus dem Westend, dem bevorzugten Wohngebiet der Bürgerschaft, eingerichtet wurde. Diese Linie wurde volkstümlich “Dienstmädchenlinie” genannt.
Ein Umbau im Jahr 1929 änderte das Aussehen der Halle, doch die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ließen nichts übrig, was an die alte Pracht erinnerte. Die Ruinen wurden abgetragen, und 1954 eröffnete die Kleinmarkthalle an einem neuen Standort, erbaut nach Plänen von Günther Gottwald und Gerhard Weber, und wurde sofort wieder ein zentraler Punkt im Stadtleben Frankfurts.
In den 1990er Jahren gab es Pläne, die Markthalle durch ein modernes Einkaufs- und Kinozentrum zu ersetzen, was aber aufgrund des Widerstands der Händler und der Bevölkerung letztendlich scheiterte. Die Kleinmarkthalle bleibt somit ein lebendiges Zeugnis der Frankfurter Geschichte und ein geschätzter Ort der Begegnung und des Handels.